Raus aus der Luxusfalle

Die Befriedigung der Bedürfnisse kostet einen erheblichen Preis, insbesondere durch Verlust von Lebensenergie bei der Anschaffung der für die Finanzierung notwendigen liquiden Mittel.

Beispiel:

Anton arbeitet in einem Software-Unternehmen als Programmierer und verdient 60.000 € pro Jahr brutto einschließlich Boni. Er arbeitet 2.000 Stunden im Jahr und kommt oft sehr gestresst nach Hause. Bei seinem Gehalt verdient er also in der Stunde 30,00 €. Er zahlt für Steuern und Sozialversicherung insgesamt 60 %, weswegen ihm von den 30,00 € pro Stunde 12,00 € netto zur freien Verfügung verbleiben.

Eines Tages hat er mit seiner Frau einen fürchterlichen Streit. Denn Anton will sich ein Auto kaufen und das kostet 60.000 €. Er würde hierfür einen Kredit aufnehmen und der würde ihm auf sechs Jahre insgesamt 66.000 € kosten. Seine Frau meint, dass es besser wäre, ein Auto für 25.000 € einschließlich Zinsen für die Finanzierung zu kaufen. Aber Anton hat schon lange einen Traum, genau dieses Auto zu fahren. Er sagt zu seiner Frau, dass ihn das Auto sehr glücklich mache, er schon lange davon geträumt habe und sein Image in der Arbeit erheblich besser sei, wenn er das Auto für 60.000 € habe. Das Auto hätte eine sehr lange Lebensdauer; er rechne mit 12 Jahren, so dass das Auto lediglich 5.500 € im Jahr kosten würde.

Seine Frau rechnet ihm vor, dass er sich mit dem billigeren Auto 41.000 € sparen würde und für diese 41.000 € insgesamt 1.367 Stunden arbeiten müsse. Seine Frau rechnet ihm vor, was man mit diesen 1.367 Stunden alles machen könne und dann bewertet sie die Glückspunkte, die Anton erhält, wenn er sich das Auto für 60.000 € kauft zu den Glückspunkten, die er erhält, wenn er 1.367 Stunden anders als für die Arbeit verwendet.

Anton ist in seinem tiefsten Inneren überzeugt, dass seine Frau Recht hat, aber er will dies nicht wahrhaben.

Je mehr Bedürfnisse man befriedigen möchte, desto mehr muss man arbeiten, um die für seine vermeintlichen Bedürfnisse notwendigen Einkünfte zu erzielen. Ist man erfolgreich und erzielt man diese Einkünfte in ausreichender Höhe und vielleicht, weil man Glück hat, gar nicht so schwer, werden die neuen vermeintlichen Bedürfnisse diesen erhöhten Einnahmen angepasst. Dies bringt neue Belastungen und den Verlust von Lebensenergie mit sich. So ärgert man sich z.B. über die Tatsache, dass das Finanzamt einem einen übermäßig hohen Anteil an diesen Einnahmen abnimmt und überlegt, wie man dies vermeiden kann. Oftmals geht man dabei nicht mit legalen Mitteln vor und hat nun plötzlich Angst, dass diese Steuerhinterziehung aufgedeckt werden könnte. Oder in dem Maße, in dem der Besitz zunimmt, bekommt man Angst vor Diebstahl oder Unterschlagungen und überlegt, wie man sich dagegen absichern kann. Man wird Schritt für Schritt unfreier, je mehr materielle Bedürfnisse man befriedigt.

Und irgendwann wird es dann schwerer, die Einnahmen in der bisher gewohnten Höhe zu halten. Man kommt in eine Überforderung, in einen negativen Stress, weil man die Höhe der Ausgaben nicht oder nicht in der gewünschten Schnelligkeit reduzieren kann, z.B. weil man an langfristige Verträge, z.B. an den Finanzierungsvertrag für den Autokauf gebunden ist oder weil man aus den Verträgen infolge ungünstiger AGBs nicht schnell genug herauskommt. Oder man hat seine Energie nicht auf Kostensenkungen, sondern nur darauf konzentriert, wie die Einnahmen in der bisherigen Höhe gehalten werden können, weil man nicht bereit ist, auf erworbenen Besitzstand zu verzichten.